Religion



Es waren einmal zwei Forschungsreisende die eine Lichtung im Urwald fanden. In der Lichtung wuchsen herrliche Blumen und viel Unkraut. Ein Forscher sagte: »Irgendein Gärtner muß dieses Grundstück bebauen.« Der andere dagegen meinte: »Es gibt keinen Gärtner.« Also schlugen sie ihre Zelte auf und stellten eine Wache. Kein Gärtner wurde je gesehen. »Aber vielleicht ist er ein unsichtbarer Gärtner.« Also errichteten sie einen Stacheldrahtzaun. Sie elektrisierten ihn. Sie patrouillierten mit Bluthunden. (Denn sie erinnerten sich daran, wie der Unsichtbare von H. G. Wells gerochen und angefaßt werden konnte, obwohl er nicht zu sehen war). Aber keine Schreie deuteten je darauf hin, daß irgendein Eindringling einen Schlag bekommen hätte. Keine Bewegung des Stacheldrahts verriet einen unsichtbaren Kletterer. Die Bluthunde bellten nie. Und doch war der eine Forscher nicht überzeugt. »Es gibt aber einen Gärtner, unsichtbar und unempfindlich gegen elektrische Schläge, einen Gärtner, der heimlich kommt, um sich um den Garten zu kümmern, den er, liebt.« Zum Schluß meinte der Skeptiker verzweifelt: »Aber was bleibt von Ihrer ursprünglichen Behauptung? Wie unterscheidet sich ein unsichtbarer' unkörperlicher, ewig ausweichender Gärtner von einem nur in der Vorstellung existierenden Gärtner oder von einem, der gar nicht existiert?«


Sind alle Religionen gleich? Welche ist richtig bzw. errettet den Menschen? Keine Religion rettet, auch nicht die christliche, wenn sie sich als Religion gebärdet. Religionen sind Erfindungen von Menschen. Die Religionen widersprechen sich untereinander. Es können alle Religionen falsch sein aber nicht alle richtig.

In eigenem Denken und Wollen haben alle Völker die Rückbindung an Gott gesucht und entwickelten dabei die unterschiedlichsten Religionen. Das Wort Religion stammt von dem lateinischen religio (= Gewissenhaftigkeit, Gottesfurcht), das sich von dem Verb re-ligiare (= an-, zurückbinden) herleitet. Diese Anbindung wird im wesentlichen durch zwei alle Religionen kennzeichnende Charakteristika versucht: durch mancherlei menschlich ersonnene Vorschriften (z. B. Opferriten) und durch für wichtig erachtete Gegenstände (z. B. Buddhafiguren, Gebetsmühlen, die Kaaba in Mekka).


Als Religion bezeichnen wir im folgenden alle menschlichen Anstrengungen, zu Gott zu kommen. Beim Evangelium hingegen ist es umgekehrt. Gott selbst handelt und kommt auf den Menschen zu, In Konsequenz dazu bezeichnen wir den biblischen Weg nicht als Religion.